ATLAS DER SPRACHE

AT-103-003 · ATLAS 250

Hendiadyoin

Ausdruck eines einzigen komplexen Begriffs durch zwei nebengeordnete Wörter.

Vertiefung

Statt ein Verhältnis grammatisch unterzuordnen, stellt das Hendiadyoin seine Bestandteile gleichrangig nebeneinander. Dadurch gewinnt eine Eigenschaft Eigengewicht.

Beispiel

mit Rat und Hilfe – im Sinne von hilfreichem Rat.

Gegenbeispiel

mit schnellem Rat – reguläre attributive Fügung.

Abgrenzung

Nicht jede Paarformel ist ein Hendiadyoin; die beiden Glieder müssen gemeinsam einen engeren Sinn bilden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Verwandelt Unterordnung in Gleichrangigkeit und lässt einen Sinn aus zwei Zentren entstehen.

Resonanz

Zwei Wörter tragen gemeinsam eine Bedeutung, die keinem allein gehört.

Etymologie

Griechisch hèn dià dyoîn ›eins durch zwei‹; Benennung einer semantischen Einheit, die grammatisch zweigliedrig erscheint.

Provenienz

Griechische Figurenbenennung → lateinische Rhetorik → Stilistik der Koordination und Verdichtung

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Hendiadyoin“. Atlas der Sprache, AT-103-003. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-003

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