ATLAS DER SPRACHE

AT-103-016 · ATLAS 250

Mise en abyme

Einfügung eines verkleinerten oder variierten Spiegelbilds des Gesamtwerks in das Werk selbst.

Vertiefung

Eine Binnenhandlung, ein Bild oder ein Text wiederholt die Struktur des umfassenden Werks. Dadurch beobachtet das Werk seine eigene Form von innen.

Beispiel

In einem Roman wird ein Buch gelesen, dessen Handlung den Roman im Kleinen spiegelt.

Gegenbeispiel

Eine beliebige Geschichte in der Geschichte ohne strukturelle Spiegelung.

Abgrenzung

Von bloßer Rahmenerzählung und allgemeiner Selbstreferenz unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Erzeugt rekursive Aufmerksamkeit und lässt Ganzes und Teil wechselseitig deutbar werden.

Resonanz

Das Werk klingt in sich selbst zurück und macht die eigene Konstruktion zum Teil seiner Welt.

Etymologie

Französisch ›in den Abgrund setzen‹; aus der Heraldik in Kunst- und Literaturtheorie übertragen.

Provenienz

Heraldik → André Gide → Erzähltheorie, Bildtheorie und Medienreflexion

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Mise en abyme“. Atlas der Sprache, AT-103-016. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-016

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