Vertiefung
Wenn ein Ausdruck als verletzend, gefährlich, heilig oder unsagbar gilt, entstehen Umschreibungen und Ersatzwörter. Auch diese können später erneut tabuisiert werden.
Beispiel
Eine beschönigende Ersatzbezeichnung übernimmt mit der Zeit die negative Färbung des gemiedenen Ausdrucks.
Gegenbeispiel
Ein neutraler Bedeutungswandel ohne soziale Meidung ist kein Tabuwandel.
Abgrenzung
Vom Euphemismus als einzelner Ausdrucksstrategie unterscheiden; Tabuwandel beschreibt die historische Dynamik.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Macht sichtbar, wie soziale Haltungen Bedeutungen auf Wörter übertragen und Benennungen zyklisch erneuern.
Resonanz
Das Gemiedene bleibt im Ersatzwort als unsichtbarer Druck anwesend.
Etymologie
Tabu über englisch taboo aus polynesisch tapu ›abgesondert, verboten‹; Wandel bezeichnet die zeitliche Verschiebung sozialer Meidung.
Provenienz
Polynesische Entlehnung → europäische Ethnologie → Soziolinguistik von Euphemismus, Meidung und Bedeutungsverschiebung
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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Tabuwandel“. Atlas der Sprache, AT-103-024. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-024Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.