ATLAS DER SPRACHE

AT-103-030 · ATLAS 250

Zeugnis

Wissensquelle, bei der Überzeugungen auf den Aussagen oder Mitteilungen anderer beruhen.

Vertiefung

Ein großer Teil unseres Wissens stammt nicht aus eigener Wahrnehmung, sondern aus Sprache, Dokumenten und institutionell vermittelten Berichten. Zeugnis verbindet Vertrauen mit Prüfung.

Beispiel

Wir wissen von einem entfernten Ereignis durch glaubwürdige Berichte.

Gegenbeispiel

Eine unmittelbar eigene Beobachtung ist kein Wissen aus Zeugnis.

Abgrenzung

Vom juristischen Zeugenbeweis unterscheiden; die epistemologische Kategorie ist weiter.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Macht Erkenntnis als soziales Netz von Sprechenden, Quellen und Vertrauensbeziehungen sichtbar.

Resonanz

Wissen wandert zwischen Menschen und trägt dabei Spuren seiner Herkunft und Glaubwürdigkeit.

Etymologie

Zu Zeuge; im erkenntnistheoretischen Gebrauch Wissen, das über Mitteilungen anderer erworben und gerechtfertigt wird.

Provenienz

Rechtliche und religiöse Zeugenschaft → soziale Erkenntnistheorie → Vertrauen, Autorität und epistemische Ungerechtigkeit

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Zeugnis“. Atlas der Sprache, AT-103-030. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-030

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