ATLAS DER SPRACHE

AT-144-005 · ATLAS 250

Assoziativplural

Pluralbildung mit der Bedeutung ›X und die mit X verbundenen Personen‹ statt ›mehrere X‹.

Vertiefung

Der Assoziativplural bezeichnet eine heterogene, sozial zusammengehörige Gruppe über ein hervorgehobenes Mitglied. Er pluralisiert damit nicht bloß einen Gegenstand, sondern aktiviert ein Beziehungsfeld.

Beispiel

Japanisch Tanaka-tachi meint ›Tanaka und die zu Tanaka gehörende Gruppe‹, nicht mehrere Personen namens Tanaka. Ungarisch Pál-ék kann entsprechend ›Paul und seine Leute‹ bedeuten, während toll-ak regulär ›Stifte‹ bezeichnet.

Gegenbeispiel

Die Jungen bezeichnet eine homogene Menge von Jungen und ist kein Assoziativplural.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Lässt eine Person als Mittelpunkt eines sozialen Gefüges erscheinen und macht Gruppenzugehörigkeit lexikogrammatisch sichtbar.

Resonanz

Pluralität wird als Beziehung und nicht nur als Anzahl lesbar.

Etymologie

Japanisch · Ungarisch · sprachvergleichende Passage

Provenienz

Semantik → Sprachtypologie → ATLAS_144

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Assoziativplural“. Atlas der Sprache, AT-144-005. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-144-005

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-144-005

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