ATLAS DER SPRACHE

AT-145-001 · ATLAS 251

Pronomenvermeidung

Höflichkeitsstrategie, bei der direkte Personalpronomen durch Titel, Verwandtschafts- oder Statusbezeichnungen ersetzt werden.

Vertiefung

In mehreren ost- und südostasiatischen Sprachen besteht Höflichkeit nicht einfach in einem formelleren Wort für ›du‹. Direkte Anrede kann gerade vermieden werden; die soziale Beziehung wird stattdessen benannt.

Beispiel

Koreanisch sensayng-nim ›Lehrer/in‹ oder sacang-nim ›Firmenpräsident/in‹; Japanisch o-taku ›ehrenvolles Haus‹; Vietnamesisch anh ›älterer Bruder‹ als relationale Anrede.

Gegenbeispiel

Deutsch Sie ist ein höfliches Pronomen und daher keine Pronomenvermeidung.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Macht soziale Position und Beziehung zum Referenzweg.

Resonanz

Anrede wird als Navigation in einem sozialen Raum lesbar.

Etymologie

Koreanisch · Japanisch · Vietnamesisch · sprachvergleichende Passage

Provenienz

Pragmatik/Gespräch → Sprachtypologie → ATLAS_145

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Pronomenvermeidung“. Atlas der Sprache, AT-145-001. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-145-001

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-145-001

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.