ATLAS DER SPRACHE

AT-103-022 · ATLAS 250

Zeichenprozess

Dynamisches Geschehen, in dem etwas für jemanden in einer Hinsicht als Zeichen von etwas anderem wirkt.

Vertiefung

Bedeutung liegt nicht fertig im Zeichenträger. Sie entsteht in einer Relation zwischen Zeichen, Bezugsgegenstand und interpretierender Weiterführung.

Beispiel

Eine dunkle Wolke wird als Hinweis auf bevorstehenden Regen verstanden.

Gegenbeispiel

Ein unbeachteter Fleck wirkt in einer Situation möglicherweise überhaupt nicht als Zeichen.

Abgrenzung

Vom statischen Zeichenträger unterscheiden, der nur ein Moment des Prozesses ist.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Verlagert Bedeutung von Dingen auf Beziehungen und fortlaufende Interpretation.

Resonanz

Jede Deutung kann selbst zum Zeichen für eine weitere Deutung werden.

Etymologie

Deutsche Erläuterungsbildung zu Semiose; Prozess aus lateinisch processus ›Fortgang‹ betont das zeitliche Hervorbringen von Bedeutung.

Provenienz

Peirces triadische Semiotik → Semiose → dynamische Zeichen-, Medien- und Kulturtheorien

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Zeichenprozess“. Atlas der Sprache, AT-103-022. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-022

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