ATLAS DER SPRACHE

AT-103-023 · ATLAS 250

Rebracketing

Historische oder spontane Verschiebung der angenommenen Grenze zwischen sprachlichen Bestandteilen.

Vertiefung

Hörende gliedern eine Lautfolge anders als frühere Sprecherinnen und Sprecher. Aus der neuen Segmentierung können neue Wortformen und Bedeutungen entstehen.

Beispiel

Englisch an ewt wurde durch Neugliederung zu a newt.

Gegenbeispiel

Eine bloße Lautveränderung ohne neue Grenzziehung ist kein Rebracketing.

Abgrenzung

Von Metathese und gewöhnlicher Entlehnung unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Zeigt, wie Wahrnehmung von Wortgrenzen die Geschichte des Wortschatzes aktiv verändert.

Resonanz

Ein falsch oder neu gehörtes Zwischenstück wird zur stabilen Form kommender Generationen.

Etymologie

Englisch re- ›neu‹ und bracketing ›Klammerung‹; Bezeichnung einer historischen oder synchronen Verschiebung von Wortgrenzen.

Provenienz

Historische Sprachwissenschaft → Grenzverschiebung in Lautketten → Grammatikalisierungs- und Lexikalisierungsforschung

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Rebracketing“. Atlas der Sprache, AT-103-023. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-023

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