ATLAS DER SPRACHE

AT-103-029 · ATLAS 251

Implizites Wissen

Können oder Orientierung, die wirksam ist, ohne vollständig als ausdrückliche Regel verfügbar zu sein.

Vertiefung

Menschen beherrschen sprachliche, körperliche und soziale Muster, bevor oder ohne dass sie deren Regeln formulieren können. Implizites Wissen zeigt sich im Vollzug.

Beispiel

Eine Person bildet grammatische Sätze, ohne die Grammatikregeln erklären zu können.

Gegenbeispiel

Auswendig aufgesagtes Regelwissen ist explizit, auch wenn die Anwendung misslingt.

Abgrenzung

Von unbewusster Information und von bloßer Gewohnheit abgrenzen; die Reichweite des Begriffs ist theoretisch umstritten.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Verschiebt Erkenntnis vom Besitz von Sätzen zur verkörperten Fähigkeit, passend zu handeln.

Resonanz

Wissen trägt den Vollzug aus dem Hintergrund, ohne selbst ständig in Worte zu treten.

Etymologie

Implizit aus lateinisch implicitus ›eingefaltet‹; als Wissensbegriff besonders durch Michael Polanyis tacit knowledge geprägt.

Provenienz

Erkenntnistheorie und Können → Polanyis tacit knowing → Organisationswissen, Expertise und verkörperte Kognition

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Implizites Wissen“. Atlas der Sprache, AT-103-029. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-029

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-029

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