Vertiefung
Menschen beherrschen sprachliche, körperliche und soziale Muster, bevor oder ohne dass sie deren Regeln formulieren können. Implizites Wissen zeigt sich im Vollzug.
Beispiel
Eine Person bildet grammatische Sätze, ohne die Grammatikregeln erklären zu können.
Gegenbeispiel
Auswendig aufgesagtes Regelwissen ist explizit, auch wenn die Anwendung misslingt.
Abgrenzung
Von unbewusster Information und von bloßer Gewohnheit abgrenzen; die Reichweite des Begriffs ist theoretisch umstritten.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Verschiebt Erkenntnis vom Besitz von Sätzen zur verkörperten Fähigkeit, passend zu handeln.
Resonanz
Wissen trägt den Vollzug aus dem Hintergrund, ohne selbst ständig in Worte zu treten.
Etymologie
Implizit aus lateinisch implicitus ›eingefaltet‹; als Wissensbegriff besonders durch Michael Polanyis tacit knowledge geprägt.
Provenienz
Erkenntnistheorie und Können → Polanyis tacit knowing → Organisationswissen, Expertise und verkörperte Kognition
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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Implizites Wissen“. Atlas der Sprache, AT-103-029. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-029Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.