ATLAS DER SPRACHE

AT-OXD-0001 · ATLAS 250

Doxa

Eine für wahr gehaltene, aber nicht notwendig bewiesene Meinung, die im rhetorischen Raum gestützt, verglichen und verändert werden kann.

Vertiefung

Doxa bezeichnet weder bloßen Irrtum noch gesichertes Wissen. Sie macht den beweglichen Zwischenraum sichtbar, in dem Menschen Urteile übernehmen, teilen, bestreiten und durch Gründe verändern. Rhetorik arbeitet in diesem Raum, weil Überzeugungen hier wirksam, aber revidierbar bleiben.

Beispiel

Alle halten die geführte Route für verständlicher; deshalb gilt sie zunächst als die bessere Lösung.

Gegenbeispiel

Die Route enthält vier Stationen. – Das ist eine überprüfbare Angabe, keine Doxa über ihren Wert.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Macht sichtbar, wo ein Urteil auf Zustimmung und Wahrscheinlichkeit statt auf Beweis beruht, und öffnet es für Vergleich und Revision.

Resonanz

Eine geteilte Meinung trägt weit, bleibt aber hörbar veränderlich, sobald eine andere Stimme Gründe einführt.

Etymologie

griechisch dóxa · Meinung, Ansicht, Erwartung

Provenienz

Oxford-Glossar → HWRh-Abgleich, soweit verfügbar → Denkbewegungsanalyse → ATLAS_235

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Doxa“. Atlas der Sprache, AT-OXD-0001. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-OXD-0001

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-OXD-0001

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.