ATLAS DER SPRACHE

AT-OXD-0003 · ATLAS 251

Endoxa

Allgemein oder von urteilsfähigen Personen anerkannte Meinungen, die als plausible Ausgangspunkte rhetorischer und dialektischer Schlüsse dienen.

Vertiefung

Endoxa machen geteilte Urteilsvoraussetzungen nutzbar, ohne sie in Gewissheiten zu verwandeln. Sie geben einem Argument Anschluss an gemeinsames Wissen und an fachliche Erfahrung. Gerade weil ihre Plausibilität sozial getragen ist, müssen Reichweite, Gegenstimmen und mögliche Vorurteile mitgeprüft werden.

Beispiel

Erfahrene Leserinnen halten klare Quellenangaben für eine Voraussetzung verlässlicher Orientierung; der Entwurf beginnt mit diesem Endoxon.

Gegenbeispiel

Ich mag Karten in Blau. – Eine persönliche Vorliebe ist kein Endoxon.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Zeigt, auf welchem geteilten Boden ein Schluss beginnt, und macht diesen Boden zugleich kritisierbar.

Resonanz

Viele Stimmen bilden einen tragenden Grundton; die Prüfung fragt, wen dieser Chor nicht enthält.

Etymologie

griechisch éndoxa · angesehene, anerkannte Meinungen

Provenienz

Oxford-Glossar → HWRh-Abgleich, soweit verfügbar → Denkbewegungsanalyse → ATLAS_235

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Endoxa“. Atlas der Sprache, AT-OXD-0003. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-OXD-0003

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-OXD-0003

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.