ATLAS DER SPRACHE

AT-PHO-W0066 · ATLAS 251

Koartikulation

Zeitliche Überlappung der Sprechbewegungen benachbarter Laute.

Vertiefung

Beim Sprechen wird ein Laut nicht vollständig abgeschlossen, bevor der nächste beginnt. Artikulatorische Merkmale greifen vor oder wirken nach; die scheinbar diskreten Laute entstehen aus einem kontinuierlichen Bewegungsstrom.

Beispiel

Beim Wort kühl nehmen die Lippen bereits während des k eine gerundete Stellung für ü an.

Gegenbeispiel

Eine isoliert und langsam gehaltene Vokalqualität zeigt keine Nachbarlautüberlappung.

Abgrenzung

Nicht mit Assimilation gleichsetzen: Koartikulation ist die Überlappung; Assimilation kann daraus als systematische Angleichung hervorgehen.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Sie unterläuft die Vorstellung, Sprache bestehe akustisch aus sauber getrennten Bausteinen.

Resonanz

Das Kommende wirkt schon im gegenwärtigen Laut, das Vergangene klingt noch in den nächsten hinein.

Etymologie

lat. articulare: gliedern, deutlich aussprechen

Provenienz

Kandidatenbank K-0066 → ATLAS_035; spezifische Experimentalquelle ergänzen

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Koartikulation“. Atlas der Sprache, AT-PHO-W0066. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-PHO-W0066

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