ATLAS DER SPRACHE

AT-PRA-0002 · ATLAS 250

Implikatur

Mitgemeinter, aber nicht wörtlich behaupteter Gehalt einer Äußerung.

Vertiefung

Implikaturen entstehen aus Wortlaut, Kontext und Annahmen über kooperatives Gespräch. Viele sind aufhebbar: Zusätzliche Information kann sie zurücknehmen, ohne Widerspruch zu erzeugen.

Beispiel

„Einige Karten sind geprüft.“ → meist: nicht alle.

Gegenbeispiel

„Einige, tatsächlich alle Karten sind geprüft.“

Abgrenzung

Präsupposition: Diese bleibt häufig auch unter Verneinung erhalten und ist weniger leicht aufhebbar.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Lässt Gesprächspartner über das Gesagte hinausrechnen; Effizienz wächst, aber Missverständnisse werden möglich.

Resonanz

Gemeinsame Erwartungen bringen ungesagte Bedeutung zum Erklingen.

Etymologie

lat. implicare „verwickeln, einschließen“; Fachterminus nach Grice

Provenienz

Grice 1967/1975 → Neo- und Post-Griceanische Pragmatik → Relevanztheorie

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Implikatur“. Atlas der Sprache, AT-PRA-0002. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-PRA-0002

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-PRA-0002

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