ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-201-002 · ATLAS 250

Antistrephon

Aufnahme eines gegnerischen Arguments oder Beweises, um ihn gegen seine ursprüngliche Richtung und für die eigene Position zu wenden.

Vertiefung

Der Ausgangspunkt der Gegenseite wird nicht einfach bestritten. Er bleibt bestehen, wird aber in einen anderen Schlusszusammenhang gestellt. So macht Antistrephon die oft unsichtbare Brücke zwischen Grund und Folgerung verhandelbar. Eine geistreiche Umkehrung allein beweist allerdings noch nicht die Gültigkeit des neuen Schlusses.

Beispiel

Einwand: Der Atlas ist für Einsteiger zu komplex; deshalb sollte er weniger Verbindungen zeigen. Rückwendung: Gerade weil der Gegenstand komplex ist, muss der Atlas seine Verbindungen mit guten Einstiegen sichtbar machen.

Gegenbeispiel

Der Atlas ist nicht komplex. – Das gegnerische Argument wird nur verneint, nicht zurückgewendet.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Zeigt, dass ein Grund nicht von selbst nur zu einem Schluss führt, und richtet Aufmerksamkeit auf die Schlussregel zwischen Prämisse und Ergebnis.

Resonanz

Ein Impuls trifft auf eine Gegenfläche und kehrt auf derselben Bahn mit veränderter Bedeutung zurück.

Etymologie

griechisch antistréphon · gegen die andere Seite wenden

Provenienz

Klassische Rhetorik → neu erschlossene Referenzen → Begriffsabgleich → ATLAS_201

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Antistrephon“. Atlas der Sprache, AT-RHE-201-002. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-201-002

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