ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-206-002 · ATLAS 250

Cataplexis

Androhung von Strafe, Unglück oder Unheil, durch die das Publikum zu einem Verhalten gedrängt oder von ihm abgehalten werden soll.

Vertiefung

Cataplexis argumentiert nicht primär mit der Güte einer Entscheidung, sondern mit der erwarteten Folge des Ungehorsams. Sie verschiebt Aufmerksamkeit vom Sachgrund zur Macht, die eine Sanktion ankündigen oder herbeiführen kann. Eine Warnung wird erst dann zur Cataplexis, wenn die drohende Folge als Druckmittel fungiert.

Beispiel

Wenn du die Quellenangabe entfernst, wird das Profil nicht freigegeben. – Die angekündigte Folge soll die Handlung verhindern.

Gegenbeispiel

Ohne Quellenangabe lässt sich die Behauptung später nicht zuverlässig prüfen. – Das ist eine Folgenbegründung, aber keine Straf- oder Unheilsandrohung.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Verengt den wahrgenommenen Entscheidungsraum und legt die Machtverteilung hinter einer Äußerung offen.

Resonanz

Ein möglicher Weg wird von einem vorausgeworfenen Schatten besetzt; noch bevor etwas geschieht, wirkt die angekündigte Folge zurück.

Etymologie

griechisch katáplēxis · Niederschlagen, Erschrecken, Bestürzung

Provenienz

Klassische Rhetorik → historische Handbücher und Primärtexte → Funktionsabgrenzung → ATLAS_206

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Cataplexis“. Atlas der Sprache, AT-RHE-206-002. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-206-002

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