ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-210-004 · ATLAS 250

Mempsis

Ausdruck von Klage oder Vorwurf, der zugleich Hilfe oder Abhilfe verlangt.

Vertiefung

Mempsis bleibt nicht bei der Beschreibung von Leid stehen. Die Klage adressiert ein Gegenüber und verbindet Verletzung oder Tadel mit dem Anspruch, dass jemand hören, helfen oder einen Zustand ändern soll. Darin treffen Affektausdruck und soziale Forderung aufeinander.

Beispiel

Ihr habt die leisen Stimmen aus der Karte gedrängt – hört sie jetzt an und gebt ihnen ihren Weg zurück.

Gegenbeispiel

Mehrere leise Stimmen fehlen in der Karte. – Die Feststellung klagt nicht und verlangt keine Hilfe oder Abhilfe.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Verwandelt erlittene Belastung in eine adressierte soziale Forderung und macht sichtbar, wer als verantwortlich oder hilfsfähig angerufen wird.

Resonanz

Eine verletzte Stimme sucht nicht nur Ausdruck, sondern eine antwortende Veränderung des gemeinsamen Feldes.

Etymologie

griechisch mémpsis · Tadel, Vorwurf; lateinisch querimonia · Klage

Provenienz

Klassische Affekt- und Beziehungsfiguren → Primärtext und Handbuchvergleich → Funktionsabgrenzung → ATLAS_210

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Mempsis“. Atlas der Sprache, AT-RHE-210-004. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-210-004

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-210-004

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