Vertiefung
Mempsis bleibt nicht bei der Beschreibung von Leid stehen. Die Klage adressiert ein Gegenüber und verbindet Verletzung oder Tadel mit dem Anspruch, dass jemand hören, helfen oder einen Zustand ändern soll. Darin treffen Affektausdruck und soziale Forderung aufeinander.
Beispiel
Ihr habt die leisen Stimmen aus der Karte gedrängt – hört sie jetzt an und gebt ihnen ihren Weg zurück.
Gegenbeispiel
Mehrere leise Stimmen fehlen in der Karte. – Die Feststellung klagt nicht und verlangt keine Hilfe oder Abhilfe.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Verwandelt erlittene Belastung in eine adressierte soziale Forderung und macht sichtbar, wer als verantwortlich oder hilfsfähig angerufen wird.
Resonanz
Eine verletzte Stimme sucht nicht nur Ausdruck, sondern eine antwortende Veränderung des gemeinsamen Feldes.
Etymologie
griechisch mémpsis · Tadel, Vorwurf; lateinisch querimonia · Klage
Provenienz
Klassische Affekt- und Beziehungsfiguren → Primärtext und Handbuchvergleich → Funktionsabgrenzung → ATLAS_210
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Mempsis“. Atlas der Sprache, AT-RHE-210-004. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-210-004Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.