Vertiefung
Deesis steigert eine Bitte durch Affekt, Anrufung und die ausdrücklich sichtbar gemachte Abhängigkeit der bittenden Person. Die verwandte lateinische Tradition der obsecratio kann die Bitte durch das Anrufen dessen verstärken, was dem Gegenüber heilig oder teuer ist.
Beispiel
Ich bitte euch bei allem, was dieses gemeinsame Gedächtnis trägt: Löscht die verworfenen Wege nicht.
Gegenbeispiel
Die verworfenen Wege sollen erhalten bleiben. – Die Forderung zeigt keine inständige Bittbewegung.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Macht Machtgefälle und Verletzlichkeit hörbar und versucht, Entscheidung durch Mitgefühl, Bindung oder Heiliges zu bewegen.
Resonanz
Eine Stimme legt ihre Dringlichkeit offen und sucht im Gegenüber einen tragenden Antwortpunkt.
Etymologie
griechisch déēsis · Bitte, Flehen
Provenienz
Klassische Affekt- und Beziehungsfiguren → Primärtext und Handbuchvergleich → Funktionsabgrenzung → ATLAS_210
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Deesis“. Atlas der Sprache, AT-RHE-210-003. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-210-003Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.