Kontexterklärung · NAV-G01-048
Doppelsinn
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Doppelsinn liegt vor, wenn ein Ausdruck im Kontext zwei relevante Lesarten eröffnet. Die Lesarten können auf Wortbedeutung, Satzbau oder Anspielung beruhen. Im Verweis aus Adianoeta ist das Verhältnis zwischen vordergründigem und weniger offenem Sinn wichtig; der allgemeine Ausdruck legt dieses Gefälle noch nicht fest.
Denkbewegung
1. Den mehrdeutigen Ausdruck lokalisieren. 2. Die erste Lesart formulieren. 3. Eine zweite tatsächlich gestützte Lesart angeben. 4. Kontextsignale vergleichen. 5. Offenhalten oder Auflösung der Mehrdeutigkeit beschreiben.
Beispiel
»Sie wartet an der Bank« kann sich auf ein Sitzmöbel oder ein Geldinstitut beziehen; erst passende Umstände machen beide Lesarten relevant.
Gegenprobe
Völlig frei erfundene Assoziationen sind keine zweite Lesart allein aufgrund ihrer Denkbarkeit.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Semantik und Stilistik können mögliche Lesarten von tatsächlich aktivierten Lesarten trennen.
Wirkung
Aufmerksamkeit kann zwischen zwei Bedeutungsrahmen wechseln.
Resonanz
Derselbe Wortlaut antwortet auf zwei verschiedene Fragen.
Abgrenzung
Von bloßer Vagheit, Lüge und notwendig anzüglicher Andeutung unterscheiden.
Quellen
- Aristoteles · On Sophistical Refutations
Abschnitt 1, Teile 1–5: scheinbare Schlüsse und Mehrdeutigkeit
documented-source-register · Historischer Primärtext in englischer Übersetzung; moderne Übertragungen sind redaktionelle Synthese. - Gideon O. Burton · Silva Rhetoricae · adianoeta
Definition, related figures, primary-source references
documented-source-register · Historische Synonymlisten sind traditionsgebunden; nicht als globale Äquivalenzliste übernehmen.