Kontexterklärung · NAV-G01-050
Ablenkung
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Ablenkung verlagert Aufmerksamkeit von einem gegenwärtigen Gegenstand auf einen anderen. Im rhetorischen Kontext kann sie die Bearbeitung einer unangenehmen Frage verhindern. Als allgemeiner Aufmerksamkeitsvorgang ist sie jedoch weder notwendig absichtlich noch automatisch ein Argumentationsfehler.
Denkbewegung
1. Ausgangsgegenstand benennen. 2. Den neuen Reiz oder Gesprächsgegenstand erfassen. 3. Die noch offene Aufgabe festhalten. 4. Funktion und mögliche Absicht getrennt prüfen. 5. Eine Rückkehr zur Ausgangsfrage ermöglichen.
Beispiel
Nach einer Nachfrage zu fehlenden Belegen beginnt ein erfundener Redner ausführlich über die schöne Aussicht zu sprechen.
Gegenprobe
Ein plötzliches Geräusch kann unwillkürlich ablenken; daraus folgt keine rhetorische Strategie.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Diskursanalyse kann prüfen, wann ein Wechsel systematisch mit ausstehenden Antworten zusammenfällt.
Wirkung
Die ursprüngliche Frage verliert Präsenz, ohne beantwortet zu sein.
Resonanz
Ein anderer Eindruck überlagert das noch Unabgeschlossene.
Abgrenzung
Von jeder Abschweifung, legitimer Pause und Red Herring als engerem argumentativem Fall unterscheiden.
Quellen
- Gideon O. Burton · Silva Rhetoricae · apoplanesis
Definition, related figures, primary-source references
documented-source-register · Historische Synonymlisten sind traditionsgebunden; nicht als globale Äquivalenzliste übernehmen. - David Carl Wilson · A Guide to Good Reasoning · Fallacies
Kapitel 8
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