ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G02-007

Analyse

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Analyse heißt hier, eine als Ganzes betrachtete Darstellung nach ausdrücklich gewählten Gesichtspunkten zu zerlegen und Beziehungen zwischen ihren Teilen zu untersuchen. Der Herkunftsverweis aus Merismus betrifft das Verhältnis von Teilnennung und Ganzheitsvorstellung. Eine rhetorische Aufzählung kann ein Ganzes anschaulich machen, ohne seine Bestandteile vollständig oder systematisch zu erfassen. Analytische Arbeit legt dagegen offen, nach welchen Kriterien sie gliedert und welche Fragen die Gliederung beantworten soll. Dieses Orientierungsprofil beansprucht keine einheitliche Definition aller philosophischen oder wissenschaftlichen Analyseverfahren.

Denkbewegung

1. Die zu untersuchende Einheit bestimmen. 2. Ein Gliederungskriterium angeben. 3. Teile und ihre Beziehungen unterscheiden. 4. Auslassungen und konkurrierende Gliederungen prüfen.

Beispiel

Konstruiert: „Dach, Wände und Fundament waren zerstört.“ Die Teilnennung vermittelt den Schaden am Haus. Eine Analyse müsste zusätzlich klären, ob Material, Funktion oder Ablauf untersucht wird.

Gegenprobe

Eine lange Liste ist noch keine Analyse, wenn ihre Auswahlregeln und Beziehungen unklar bleiben.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine rhetorische Untersuchung kann vergleichen, welche Teile Merismen nennen und welche Ganzheitsvorstellung die Auslassungen ermöglichen.

Wirkung

Die Zerlegung kann Voraussetzungen sichtbar machen, die in einer Gesamtdarstellung unbemerkt bleiben.

Resonanz

Das Ganze verliert seine Geschlossenheit und gewinnt erkennbare Verbindungen.

Abgrenzung

Analyse von Aufzählung, Beschreibung, Beweis und Synthese unterscheiden; die jeweilige Methode ausdrücklich nennen.

Quellen