ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G02-021

Betonung

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Betonung meint im Herkunftskontext der Praeteritio rhetorische Hervorhebung. Ein Inhalt wird dadurch bemerkbar, dass der Sprecher ankündigt, ihn zu übergehen, ihn dabei aber nennt. Hier geht es nicht notwendig um stärkeren Schalldruck oder einen Wortakzent. Die Analyse fragt vielmehr, welches Thema die scheinbare Auslassung in den Text einführt und wie es dadurch im Verhältnis zum übrigen Gesagten erscheint. Eine solche Gestaltung kann Aufmerksamkeit nahelegen; ob und wie stark sie tatsächlich auffällt, ist eine gesonderte Rezeptionsfrage.

Denkbewegung

1. Die angekündigte Auslassung lokalisieren. 2. Den dennoch genannten Inhalt bestimmen. 3. Seine Stellung im Text vergleichen. 4. Rhetorische und akustische Hervorhebung trennen.

Beispiel

Konstruiert: „Über die drei versäumten Fristen möchte ich heute gar nicht sprechen.“ Die Fristen stehen gerade durch diese Formulierung im Raum.

Gegenprobe

Ein tatsächlich unerwähnter Sachverhalt wird nicht durch Praeteritio hervorgehoben. Lautes Sprechen allein ist ebenfalls keine Praeteritio.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Untersuchung könnte Textvarianten mit direkter Nennung und angekündigtem Übergehen vergleichen; Erinnerungs- oder Aufmerksamkeitsmaße wären separat zu erheben.

Wirkung

Die Form kann einen Inhalt hervorheben und zugleich Distanz zu seiner ausführlichen Behandlung markieren.

Resonanz

Was am Rand vorbeigehen soll, erhält durch den Zeigegestus eine Kontur.

Abgrenzung

Rhetorische Hervorhebung von Wortakzent, Satzakzent, Lautstärke und bloßer Wiederholung unterscheiden.

Quellen