ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G02-022

Bewegung

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Bewegung hat in den beiden Herkunftsverweisen verschiedene Bedeutungen. Im Umfeld der Inselbeschränkung bezeichnet syntaktische Bewegung eine theoriegebundene Darstellung struktureller Abhängigkeiten: Eine Einheit wird mit mehreren Strukturpositionen verbunden. Im Umfeld der Pragmatographia meint Bewegung dagegen dargestelltes Handeln oder Veränderung innerhalb einer Szene. Ein bewegter Gegenstand im erzählten Geschehen vollzieht keine syntaktische Operation. Die gemeinte Lesart ist deshalb aus dem jeweiligen fachlichen Kontext zu bestimmen.

Denkbewegung

1. Den Herkunftsverweis feststellen. 2. Strukturbeziehung oder dargestelltes Geschehen unterscheiden. 3. Für Syntax das verwendete Modell nennen. 4. Für Darstellung Handlung und Perspektive beschreiben.

Beispiel

Konstruiert: „Welches Buch liest Mira?“ kann im Bewegungsmodell eine Beziehung zwischen Frageausdruck und Objektposition veranschaulichen. „Mira rennt über den Hof“ stellt dagegen eine Bewegung im Geschehen dar.

Gegenprobe

Eine Szene ohne Ortswechsel kann syntaktische Bewegungsanalysen zulassen; eine lebhafte Handlung beweist keine bestimmte syntaktische Analyse.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine vergleichende Untersuchung könnte Abhängigkeiten in Fragesätzen syntaktisch analysieren und davon getrennt die sprachliche Darstellung von Handlungen in Erzählungen untersuchen.

Wirkung

Die Unterscheidung kann verhindern, dass ein gemeinsames Alltagswort zwei Fachkontexte unbemerkt vermischt.

Resonanz

Eine Form wechselt ihren Platz; eine Figur durchquert den Hof. Dasselbe Wort benennt zwei verschiedene Wege.

Abgrenzung

Syntaktische Abhängigkeit, dargestellte Handlung und körperliche Bewegung sind auseinanderzuhalten.

Quellen