ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G02-023

Blick

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Blick bezeichnet hier die sichtbare Orientierung der Augen als möglichen Beitrag zur gemeinsamen Aufmerksamkeit. Gesprächsbeteiligte können Blick, Zeigen und Sprache aufeinander abstimmen, um einen Gegenstand gemeinsam zum Thema zu machen. Aus übereinstimmenden Fixationen folgt jedoch nicht, dass beide denselben Aspekt meinen oder wissen, dass der andere ebenfalls darauf achtet. Der Herkunftsverweis verlangt deshalb eine sequenzielle Betrachtung: Wie wird Aufmerksamkeit gelenkt, wie wird ihre Aufnahme sichtbar und wie wird der Bezug bestätigt oder korrigiert?

Denkbewegung

1. Blickverläufe im zeitlichen Kontext betrachten. 2. Zeigen und Sprache einbeziehen. 3. Beobachtetes Ziel und gemeinten Referenten unterscheiden. 4. Anschlussreaktionen auf gemeinsames Verstehen prüfen.

Beispiel

Konstruiert: Mira zeigt auf ein Gemälde und sagt „Diese helle Stelle“. Leon blickt hin und fragt „Die im Wasser?“ Erst der Austausch klärt, welcher Ausschnitt gemeint ist.

Gegenprobe

Zwei Personen können zufällig dasselbe Bild ansehen, ohne eine gemeinsame Aufmerksamkeitssequenz herzustellen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Untersuchung könnte mobiles Eye-Tracking mit Video und Gesprächstranskription verbinden, statt Fixationspunkte allein als Verständnisnachweis zu zählen.

Wirkung

Koordinierte Blickpraktiken können gemeinsamen Bezug unterstützen; der Blick allein garantiert ihn nicht.

Resonanz

Ein Blick findet einen Gegenstand; ein erwiderter Bezug macht ihn möglicherweise zu einem gemeinsamen.

Abgrenzung

Blickrichtung, Aufmerksamkeit, gemeinsamer Referent und wechselseitiges Wissen um Aufmerksamkeit auseinanderhalten.

Quellen