Kontexterklärung · NAV-G02-027
Darstellung
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Darstellung macht einen Gegenstand, ein Geschehen oder eine mögliche Welt in einem Medium zugänglich. Im Mimesis-Kontext interessiert, wie sprachliche oder szenische Gestaltung Handlungen vorführt: Was wird ausgewählt, aus welcher Perspektive und mit welchen Mitteln? Aristoteles unterscheidet Gegenstand, Medium und Darstellungsweise. Der Atlas verwendet Darstellung hier als Bezugsrahmen, nicht als Behauptung einer vollständigen Kopie. Eine erzählte Begegnung besitzt eine Ordnung und einen Wortlaut; die Begegnung selbst besitzt diese Textgestalt nicht. Auch ein erfundenes Geschehen kann dargestellt werden.
Denkbewegung
1. Gegenstand oder mögliche Situation bestimmen. 2. Medium und Darstellungsweise benennen. 3. Auswahl und Perspektive untersuchen. 4. Darstellung und dargestellten Gegenstand getrennt beurteilen.
Beispiel
„Sie blieb vor der verschlossenen Tür stehen.“ Diese erfundene Miniatur stellt eine Handlung dar; sie dokumentiert kein tatsächlich geschehenes Ereignis.
Gegenprobe
Das Wort Feuer brennt nicht. Eine Ähnlichkeit oder Bezugnahme macht Darstellung und Gegenstand nicht identisch.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Eine vergleichende Analyse kann dieselbe entworfene Szene als Bericht und Dialog ausgestalten und deren Informationsverteilung beschreiben.
Wirkung
Der Begriff macht die Auswahlleistungen einer Gestaltung untersuchbar.
Resonanz
Ein Geschehen tritt durch eine Form hervor; die Form bleibt Teil dessen, was wir sehen.
Abgrenzung
Von Gegenstand, Zeichenmaterial und historischer Wahrheit unterscheiden. Mimesis ist eine theoretische Bestimmung künstlerischer Darstellung, keine Gleichung von Welt und Werk.
Quellen
- Aristotle, Poetics, translated S. H. Butcher
I–III; X–XI
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