ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G03-001

Frequenz

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Frequenz beantwortet nur dann eine klare Frage, wenn feststeht, was gezählt wird. Im Kontext lexikalischer Diffusion geht es etwa darum, wie oft ein Wort verwendet wird. In der Erzähltheorie interessiert dagegen das Verhältnis zwischen dem Stattfinden und dem Erzählen von Ereignissen. Diese Bedeutungen brauchen getrennte Wege im Atlas. Ein häufiges Wort ist nicht dasselbe wie eine häufig wiederholte Handlung, und eine Handlung kann einmal erzählt werden, obwohl sie oft stattfand. Die gemeinsame Idee des Zählens verbindet die Lesarten, ersetzt aber keine Definition ihrer Einheiten.

Denkbewegung

1. Das Erkenntnisinteresse bestimmt die Zähleinheit. 2. Ein Beobachtungsbereich wird festgelegt. 3. Vorkommen oder Ereignisbeziehungen werden erfasst. 4. Unterschiedliche Bezugsgrößen werden getrennt. 5. Erst vergleichbare Größen werden gegenübergestellt.

Beispiel

„Jeden Montag öffnete sie das Archiv“ erzählt in einem Satz mehrere Öffnungen. Wie oft das Wort Archiv im Roman steht, ist eine andere Frequenzfrage.

Gegenprobe

Zehn Belege in einem kurzen Text sind nicht ohne Normalisierung mit zehn Belegen in einem großen Korpus vergleichbar.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Korpusanalysen nennen Umfang und Tokenisierung; Erzählanalysen dokumentieren, welche Ereignisse eine Passage zusammenfasst.

Wirkung

Frequenz präzisiert Wiederholung durch explizite Bezugsgrößen.

Resonanz

Was oft geschieht, muss nicht oft erzählt werden. Zählen macht diese Differenz sichtbar.

Abgrenzung

Von Dauer, Intensität, Wahrscheinlichkeit und subjektiver Auffälligkeit unterscheiden.

Quellen