Kontexterklärung · NAV-G03-003
Funktionswandel
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Funktionswandel bezeichnet hier eine Veränderung dessen, was eine sprachliche Form leistet. Dass Material äußerlich ähnlich bleibt, bedeutet nicht, dass seine Aufgabe gleich bleibt. Umgekehrt beweist eine neue Verwendung noch nicht, dass die frühere Funktion verschwunden ist. Der Zusammenhang mit Exaptation verlangt deshalb eine historische Unterscheidung: Funktionswandel ist der weitere Rahmen, Exaptation eine spezifischere Deutung der Wiederverwendung vorhandenen Materials. Ein Atlasverweis darf diese Deutung nicht bereits durch die Wortwahl erzwingen. Er führt von der heutigen Form zu Belegen ihrer unterschiedlichen Verwendungen.
Denkbewegung
1. Eine Form wird über mehrere Zeitpunkte verfolgt. 2. Ihre jeweilige Aufgabe wird im Kontext bestimmt. 3. Alte und neue Verwendungen werden verglichen. 4. Fortbestand und Verlust früherer Funktionen werden unterschieden. 5. Erst danach wird eine Wandelanalyse gewählt.
Beispiel
Ein konstruiertes Archiv zeigt dieselbe Partikel zuerst als räumlichen Hinweis, später zusätzlich als Gesprächsgliederung. Das dokumentiert eine neue Aufgabe, noch keine Exaptation.
Gegenprobe
Ein einzelner kreativer Gebrauch belegt keine etablierte Veränderung des Sprachsystems.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Historische Korpora müssen Form, Datierung, Kontext und Verwendungsstreuung gemeinsam auswerten.
Wirkung
Die Analyse verhindert, dass Formähnlichkeit mit Funktionskontinuität verwechselt wird.
Resonanz
Altes Sprachmaterial kann neue Aufgaben tragen, ohne seine Vergangenheit vollständig abzustreifen.
Abgrenzung
Von Bedeutungswandel, Reanalyse, Grammatikalisierung und Exaptation unterscheiden; mögliche Überschneidungen begründen.
Quellen
- Livio Gaeta: Co-opting exaptation in a theory of language change
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