Kontexterklärung · NAV-G03-006
Gebrauch
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Gebrauch meint im inferentialistischen Zusammenhang mehr als das Vorkommen eines Wortes. Wichtig ist, welche Schlüsse eine Äußerung erlaubt, welche Gründe für sie sprechen und welche Einwände sie herausfordern. Wer etwas behauptet, stellt seinen Ausdruck in ein Geflecht möglicher Anschlüsse. Diese Perspektive ist eine bestimmte Bedeutungstheorie, keine erschöpfende Beschreibung jedes Sprachgebrauchs. Der Eintrag macht ihren Erkenntnisgewinn sichtbar: Bedeutung lässt sich auch daran untersuchen, was Beteiligte mit einer Aussage im weiteren Gespräch anfangen dürfen und wofür sie Verantwortung übernehmen.
Denkbewegung
1. Eine Äußerung wird im Gespräch lokalisiert. 2. Ihre möglichen Begründungen werden erfasst. 3. Erlaubte Folgerungen werden rekonstruiert. 4. Widersprüche und Rücknahmen werden geprüft. 5. Die Gebrauchsrolle wird als Theorieangebot ausgewiesen.
Beispiel
Wer „Alle Schlüssel liegen im Schrank“ behauptet, muss einen außerhalb gefundenen Schlüssel als Herausforderung behandeln oder seinen gemeinten Bereich präzisieren.
Gegenprobe
Dass ein Wort häufig fällt, zeigt noch nicht, welche Gründe oder Folgerungen mit ihm verbunden sind.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Argumentationsanalysen können Behauptung, Begründung und Folgerung getrennt annotieren und strittige Schlussregeln sichtbar machen.
Wirkung
Die Perspektive erschließt Bedeutung als Teilnahme an nachvollziehbaren Praktiken.
Resonanz
Eine Aussage endet nicht beim letzten Wort: Sie öffnet Wege für das, was danach gesagt werden kann.
Abgrenzung
Von Wortfrequenz, persönlicher Absicht und einer universellen Gleichsetzung von Bedeutung und beliebigem Gebrauch unterscheiden.
Quellen
- Robert B. Brandom: Pragmatism, Inferentialism, and Modality (2006)
Sections 1–2, PDF pages 1–9 selected argument paragraphs; not complete 31-page text
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