ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G03-007

Gegensatz

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Gegensatz ist eine Orientierung, noch keine genaue Relationsbeschreibung. Zwei Ausdrücke können entgegengesetzte Bereiche einer Skala markieren, einander in einem festgelegten Bereich ausschließen oder dieselbe Beziehung aus vertauschten Rollen darstellen. Diese Unterschiede bestimmen, welche Schlüsse erlaubt sind. Nicht heiß bedeutet nicht notwendig kalt; bei einer binär festgelegten Statusvariable kann die Verneinung eines Wertes dagegen den anderen festlegen. Der Verweis aus Antonymie öffnet deshalb kein einheitliches Schema „das Gegenteil“, sondern fordert dazu auf, den jeweiligen Gegensatz zu prüfen.

Denkbewegung

1. Die gemeinsame Vergleichsdimension wird bestimmt. 2. Die beiden Ausdrücke werden im selben Kontext interpretiert. 3. Zwischenwerte werden gesucht. 4. Negation und Rollentausch werden getestet. 5. Der passende Gegensatztyp wird benannt.

Beispiel

Eine Tasse kann weder heiß noch kalt, sondern lauwarm sein. Bei einem gewöhnlichen direkten Geschäft beschreiben kaufen und verkaufen den Transfer dagegen aus unterschiedlichen Beteiligtenrollen.

Gegenprobe

Zwei Wörter sind nicht schon Gegensätze, weil sie oft in einem Streit einander gegenübergestellt werden.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Lexikalische Analysen sollten Gradierbarkeit, Ausschluss und relationale Umkehr getrennt testen.

Wirkung

Ein unscharfes Gegenüber wird zu einer überprüfbaren semantischen Beziehung.

Resonanz

Zwischen zwei Polen kann ein Übergang liegen oder eine andere Perspektive auf dasselbe Geschehen.

Abgrenzung

Antonymie im weiten Sinn nicht mit logischer Kontradiktion oder rhetorischer Antithese gleichsetzen.

Quellen