ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G03-011

Gesprächsanalyse

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Gesprächsanalyse bezeichnet hier den weiteren Bereich der Untersuchung gesprochener Interaktion. Welche Daten, Fragen und Begründungsverfahren dazugehören, hängt vom gewählten Ansatz ab. Die Konversationsanalyse ist eine spezifische Tradition innerhalb dieses Umfelds: Sie fragt besonders nach der sequenziellen Organisation und danach, woran die Beteiligten selbst ihre Handlungen orientieren. Das vorhandene Atlasprofil Konversationsanalyse wird deshalb erschlossen, ohne den weiteren deutschen Ausdruck vollständig mit dem englischen Fachnamen Conversation Analysis gleichzusetzen. Die Herkunft aus Rückmeldesignal macht diese Vorsicht praktisch wichtig: Ein kurzes „mhm“ erhält seine Funktion nicht allein aus seiner Lautform.

Denkbewegung

1. Die Forschungsfrage wird festgelegt. 2. Daten und Analysetradition werden benannt. 3. Ein Beitrag wird in seiner lokalen Umgebung untersucht. 4. Alternative Funktionsdeutungen werden geprüft. 5. Die Reichweite des Befunds wird begrenzt.

Beispiel

Dasselbe „mhm“ kann nach einer Frage anders funktionieren als während einer längeren Erzählung. Position und Anschlussreaktion gehören zur Analyse.

Gegenprobe

Eine Verschriftlichung mit Sprecherangaben ist noch keine Erklärung der Gesprächsorganisation.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Studien sollten Transkriptionskonvention, Datenauswahl und den Weg von Beobachtung zu Interpretation offenlegen.

Wirkung

Methodische Benennung macht sichtbar, welche Schlüsse die Daten tatsächlich tragen.

Resonanz

Ein kleines Signal gewinnt Kontur durch das, was ihm vorausgeht und was auf es folgt.

Abgrenzung

Den Oberbegriff nicht pauschal mit Konversationsanalyse, Diskursanalyse oder Inhaltsanalyse gleichsetzen.

Quellen