Kontexterklärung · NAV-G03-012
Gesprächsorganisation
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Gesprächsorganisation bezeichnet die Verfahren, durch die Beiträge zeitlich, thematisch und handlungsbezogen aufeinander abgestimmt werden. Beteiligte regeln unter anderem, wer spricht, worauf eine Antwort bezogen ist und wie ein Missverständnis bearbeitet wird. Diskursmarker können dabei Übergänge anzeigen, doch Organisation besteht nicht nur aus solchen Wörtern. Auch Pausen, Blick, Intonation und der Platz eines Beitrags können relevant sein. Der Begriff meint keine starre Gesprächsordnung, die jedem Austausch unverändert übergestülpt wird, sondern eine fortlaufend hergestellte Koordination.
Denkbewegung
1. Ein Beitrag eröffnet mögliche Anschlüsse. 2. Beteiligte zeigen, welchen Anschluss sie wählen. 3. Übergänge und Unterbrechungen werden erfasst. 4. Reparaturen können Probleme beim Sprechen, Hören oder Verstehen sichtbar machen. 5. Die lokale Ordnung wird aus diesen Praktiken rekonstruiert.
Beispiel
„Also, zurück zur Frage“ markiert einen Themenwechsel; ob andere ihn akzeptieren, zeigt sich an ihren nächsten Beiträgen.
Gegenprobe
Das Vorkommen von also allein beweist weder einen Themenwechsel noch die Kontrolle über das Gespräch.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Sequenzanalysen können verbale und nonverbale Übergangssignale gemeinsam untersuchen und Gegenbeispiele vergleichen.
Wirkung
Organisation macht den zeitlichen Bau der Verständigung sichtbar.
Resonanz
Ein Gespräch findet seinen Weg durch viele kleine Abstimmungen, deren Wirkung oft erst im Anschluss erkennbar wird.
Abgrenzung
Von starrer Tagesordnung, Grammatik einzelner Sätze und allgemeiner sozialer Hierarchie unterscheiden.
Quellen
- Stephen C. Levinson / Francisco Torreira: Timing in turn-taking and its implications for processing models of language (2015)
Sections 1–2 selected paragraphs and overlap/backchannel analysis, lines 576–599
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