Kontexterklärung · NAV-G03-016
Grammatik
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Grammatik kann das regelhafte System einer Sprache, dessen wissenschaftliche Beschreibung oder eine normierende Darstellung bezeichnen. Im Verweis aus Anthimeria ist vor allem das Verhältnis zwischen Wortklasse und konkreter Verwendung wichtig. Ein ungewöhnlicher Einsatz kann ein vorhandenes produktives Muster nutzen, statt einfach eine Regel zu verletzen. Die Analyse fragt deshalb nicht zuerst, ob eine Form schön oder richtig klingt, sondern welche strukturellen Möglichkeiten sie ausnutzt. Erst danach kann untersucht werden, warum derselbe Gebrauch in einer bestimmten Situation rhetorisch auffällt.
Denkbewegung
1. Eine Form wird im Satz untersucht. 2. Ihre üblichen und aktuellen Funktionen werden verglichen. 3. Produktive Muster werden geprüft. 4. Strukturbeschreibung und Bewertung werden getrennt. 5. Die rhetorische Wirkung wird kontextbezogen erklärt.
Beispiel
Die erfundene Wendung „ein entschiedenes Vielleicht“ macht einen sonst anders verwendeten Ausdruck zum Kern einer Nominalgruppe. Der Effekt verlangt eine Analyse der Konstruktion.
Gegenprobe
Eine seltene Form ist nicht allein wegen ihrer Seltenheit ungrammatisch.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Korpusbelege und Akzeptabilitätsurteile können zeigen, ob ein Muster verbreitet, produktiv oder stark kontextabhängig ist.
Wirkung
Grammatik macht Möglichkeiten und Beschränkungen sprachlicher Gestaltung erkennbar.
Resonanz
Regelhaftigkeit kann den Hintergrund bilden, vor dem eine kleine Verschiebung hörbar wird.
Abgrenzung
System, Grammatikbuch, Norm und individuelle Stilpräferenz auseinanderhalten.
Quellen
- Gideon O. Burton: Anthimeria
Definition and examples, lines 6–12
specified-passages-read - Roman Jakobson: Linguistics and Poetics; reprint in Language in Literature (1987)
PDF pages 5–8, printed 65–68; contact/emotive/phatic, lines 123–151,206–220
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