Kontexterklärung · NAV-G03-018
Haltung
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Haltung bezeichnet hier eine sprachlich oder interaktional erkennbare Positionierung zu einem Sachverhalt. Ein Beitrag kann etwas als überraschend, fraglich, willkommen oder bereits vertraut behandeln. Das ist eine Analyse dessen, was die Äußerung zeigt, nicht ein unmittelbarer Zugang zum Innenleben der Person. Im Herkunftskontext Mirativität interessiert besonders die dargestellte Abweichung von Erwartungen. Evidenzquelle, Sicherheit und Bewertung können dabei zusammen auftreten, müssen aber getrennt beschrieben werden. Eine einzige Markierung trägt nicht automatisch alle diese Bedeutungen.
Denkbewegung
1. Die betreffende Information wird bestimmt. 2. Die Äußerung wird auf Positionierungssignale untersucht. 3. Eine relevante Erwartung wird rekonstruiert. 4. Quelle, Sicherheit und Bewertung werden getrennt. 5. Die Deutung wird am Gesprächsanschluss geprüft.
Beispiel
„Du bist ja schon hier!“ kann die frühe Anwesenheit als unerwartet behandeln. Ob Freude oder Unmut hinzukommt, verlangt weiteren Kontext.
Gegenprobe
Ein überraschungsmarkierender Ausdruck beweist nicht, dass die Person tatsächlich innerlich überrascht war.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Analysen sollten Form, Prosodie, Kontext und Anschluss getrennt dokumentieren.
Wirkung
Haltung zeigt, wie Information zugleich perspektiviert wird.
Resonanz
Eine Nachricht kommt nicht nur an: Sie trifft auf Erwartungen, an denen ihre Bedeutung hörbar wird.
Abgrenzung
Von stabiler Persönlichkeit, Evidentialität und psychologischer Emotionsdiagnose unterscheiden.
Quellen
- Bruno Strecker / IDS: Exklamativmodus
Definition lines56–66; V2 exclamatives with ja/doch lines99–107
specified-passages-read - Alexandra Y. Aikhenvald: Evidentiality and Mirativity (2004), chapter 6
Author chapter abstract: unexpected information and relationship to evidentiality
author-abstract-only - Roman Jakobson: Linguistics and Poetics; reprint in Language in Literature (1987)
PDF pages 5–8, printed 65–68; contact/emotive/phatic, lines 123–151,206–220
specified-passages-read - Ferdinand de Haan: Semantic Distinctions of Evidentiality
Definition and reportative, lines 17–18, 50–70
specified-passages-read