Kontexterklärung · NAV-G03-024
Hörersignal
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Hörersignal ist hier ein weiter Ausdruck für Beiträge und Reaktionen auf der hörenden Seite einer Interaktion. Dazu können kurze Rückmeldungen gehören, doch nicht jede Reaktion lässt das Rederecht unverändert beim bisherigen Sprecher. Deshalb wäre eine einfache Gleichsetzung mit Backchannel zu eng. Der Eintrag erschließt Backchannel und Rückmeldesignal als spezifischere Nachbarprofile. Entscheidend ist, was die Reaktion an dieser Stelle tut: Fortsetzung ermöglichen, Verständnis anzeigen, eine Frage stellen oder selbst einen längeren Beitrag beginnen. Ihre Funktion lässt sich nicht zuverlässig an einem isolierten Wort festmachen.
Denkbewegung
1. Die Reaktion wird in der Sequenz lokalisiert. 2. Ihre zeitliche Gestaltung wird erfasst. 3. Eine mögliche Rederechtübernahme wird geprüft. 4. Der nächste Beitrag zeigt, wie sie behandelt wird. 5. Erst danach wird die engere Funktion benannt.
Beispiel
Ein kurzes „ja“ während einer Erzählung kann deren Fortsetzung unterstützen; „Ja, aber dazu muss ich etwas erklären“ kann einen eigenen Beitrag einleiten.
Gegenprobe
Ein Nicken beweist weder Zustimmung zum Inhalt noch vollständiges Verstehen.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Video- und Audioanalysen können verbale, gestische und zeitliche Merkmale gemeinsam untersuchen.
Wirkung
Der Oberbegriff hält unterschiedliche Beteiligungsformen sichtbar.
Resonanz
Zuhören hinterlässt Spuren, deren Bedeutung aus dem gemeinsamen Verlauf wächst.
Abgrenzung
Hörerreaktion, Backchannel, Antwort, Zustimmung und Sprecherwechsel unterscheiden.
Quellen
- Stephen C. Levinson / Francisco Torreira: Timing in turn-taking and its implications for processing models of language (2015)
Sections 1–2 selected paragraphs and overlap/backchannel analysis, lines 576–599
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