ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G03-025

Illusionsbruch

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Illusionsbruch bezeichnet eine Unterbrechung oder Abschwächung des Eindrucks, in einer dargestellten Welt aufzugehen. Im Kontext der Metafiktion kann die Gemachtheit eines Textes oder einer Inszenierung hervortreten. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Selbstreflexion dieselbe Wirkung hat. Ein Werk kann seine Darstellung thematisieren und das Publikum dennoch stark binden. Der Begriff beschreibt deshalb eine mögliche Wirkung im Zusammenspiel von Gestaltung und Rezeption. Die Analyse muss zeigen, wodurch eine bisher tragende Erwartung gestört wird und welche neue Aufmerksamkeit an ihre Stelle tritt.

Denkbewegung

1. Die zuvor aufgebaute Illusion wird beschrieben. 2. Ein störendes Gestaltungsmittel wird identifiziert. 3. Sein Bezug zur Darstellungsebene wird geprüft. 4. Rezeptionsannahmen werden von Textmerkmalen getrennt. 5. Die veränderte Aufmerksamkeit wird begründet.

Beispiel

Eine Figur blickt auf eine eingeblendete Kapitelüberschrift und fragt, wer sie geschrieben habe. Dadurch kann die Herstellungsweise des Werks in den Vordergrund rücken.

Gegenprobe

Eine Erzählerbemerkung unterbricht nicht notwendig jede Form von Spannung oder emotionaler Beteiligung.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Textanalysen können mögliche Auslöser beschreiben; Aussagen über tatsächliche Wirkungen benötigen Rezeptionsbelege.

Wirkung

Illusionsbruch macht die Bedingungen des Darstellens wahrnehmbar.

Resonanz

Der Blick wechselt von der Welt im Bild zu dem Rahmen, der sie erscheinen lässt.

Abgrenzung

Von Metafiktion als Verfahren, bloßer Unverständlichkeit und unbeabsichtigtem Produktionsfehler unterscheiden.

Quellen