ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G03-032

Kategorienbildung

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Kategorienbildung bezeichnet hier das Entstehen oder Ausarbeiten einer neuen Zusammenfassung. Der Schwerpunkt liegt nicht darauf, einen weiteren Fall einer schon verfügbaren Kategorie zuzuweisen, sondern darauf, die dafür verwendeten Unterscheidungen überhaupt zu entwickeln. Diese können durch Vergleich, praktische Aufgaben oder ausdrückliche Vereinbarung entstehen und später verändert werden. Der Herkunftskontext wird deshalb durch eine begrenzte Erklärung erschlossen; für den umfassenderen Prozess des Einordnens führt der Atlas zur bereits vorhandenen Kategorisierung weiter. Eine neu erfundene Bezeichnung allein beweist noch keine neue Kategorie, sofern dieselben Fälle nach denselben Regeln zusammengefasst bleiben.

Denkbewegung

1. Eine Aufgabe verlangt eine Unterscheidung. 2. Fälle werden miteinander verglichen. 3. Ein gemeinsamer Gesichtspunkt wird vorgeschlagen. 4. Neue Fälle prüfen die vorgeschlagene Grenze. 5. Die Kategorie wird stabilisiert oder revidiert.

Beispiel

Ein Archivteam entwickelt erstmals eine Klasse für Briefe, die zugleich als Rechnungen dienen. Erst danach ordnet es weitere Fundstücke dieser Klasse zu.

Gegenprobe

Den hundertsten Brief nach einer unveränderten Regel einzusortieren ist Kategorienanwendung, nicht bereits die Bildung einer neuen Kategorie.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Lernstudie kann beobachten, wann Personen eine neue Regel entwickeln und wann sie nur ihre Anwendung verbessern.

Wirkung

Die Erklärung macht die Entstehung einer Ordnung selbst untersuchbar.

Resonanz

Bevor Dinge ihren Platz bekommen, muss manchmal erst eine neue Art von Platz entstehen.

Abgrenzung

Kategorienbildung von Benennung, Kategorienanwendung und dem weiteren Begriff Kategorisierung unterscheiden.

Quellen