Kontexterklärung · NAV-G03-033
Kennzeichnung
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Kennzeichnung meint im Herkunftskontext Epitheton einen sprachlichen Zusatz, der eine Person oder Sache charakterisiert. Er kann eine auffällige Eigenschaft hervorheben, eine Wertung vermitteln oder eine wiedererkennbare Verbindung zwischen Name und Merkmal schaffen. Seine Leistung hängt vom Gebrauch ab: Derselbe Zusatz kann in einem Zusammenhang zur Identifikation beitragen und in einem anderen vor allem eine Haltung ausdrücken. Der Ausdruck wird hier deshalb eng kontextuell erklärt. Die logische Frage, wie eine definite Beschreibung auf genau einen Gegenstand Bezug nimmt, gehört zu einer anderen Untersuchung und darf nicht allein aus dem gemeinsamen deutschen Wort Kennzeichnung hineingelesen werden.
Denkbewegung
1. Eine Grundbezeichnung wird erkannt. 2. Der charakterisierende Zusatz wird bestimmt. 3. Sein Beitrag zur Identifikation wird geprüft. 4. Eine mögliche Wertung wird untersucht. 5. Die Funktion wird im konkreten Text beschrieben.
Beispiel
„Die geduldige Mira“ kann Mira charakterisieren; bei mehreren Personen namens Mira kann der Zusatz zugleich bei der Unterscheidung helfen.
Gegenprobe
Ein Zusatz ist nicht notwendig schmückend oder lobend. „Der unzuverlässige Bote“ vermittelt eine negative Charakterisierung.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Eine Textanalyse kann wiederkehrende Epitheta nach identifizierender, wertender und erinnerungsstützender Funktion vergleichen.
Wirkung
Der Zusatz lenkt den Blick auf eine ausgewählte Eigenschaft des Bezeichneten.
Resonanz
Ein Name bleibt derselbe und kommt doch unter einem bestimmten Licht zu stehen.
Abgrenzung
Charakterisierende Kennzeichnung, Eigenname und definite Beschreibung im logischen Sinn unterscheiden.
Quellen
- Gideon O. Burton: epitheton
Definition, qualification and examples, lines 7–17
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