ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G03-036

Kombinatorik

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Literarische Kombinatorik untersucht und nutzt Möglichkeiten, sprachliche Elemente nach Regeln neu zusammenzustellen. Im Oulipo-Kontext kann eine begrenzte Menge austauschbarer Zeilen, Wörter oder Abschnitte einen großen Raum möglicher Texte eröffnen. Entscheidend ist nicht bloß die Anzahl der Elemente, sondern welche Kombinationen zugelassen werden und welche Eigenschaften bei ihrem Austausch erhalten bleiben sollen. Das Verfahren kann systematisch oder unter Einsatz des Zufalls durchlaufen werden; Zufälligkeit gehört nicht notwendig zur Definition. Auch die Zahl möglicher Texte sagt noch nichts über deren ästhetische Qualität aus. Die Regel erzeugt Möglichkeiten, deren sprachliche Wirkung erst an konkreten Realisierungen beurteilt wird.

Denkbewegung

1. Austauschbare Einheiten werden festgelegt. 2. Kombinationsregeln begrenzen ihre Verknüpfung. 3. Die zulässigen Möglichkeiten werden bestimmt. 4. Einzelne Kombinationen werden realisiert. 5. Ihre sprachliche Wirkung wird geprüft.

Beispiel

Zwei Satzanfänge und drei grammatisch passende Fortsetzungen erlauben bei freier Wahl sechs Kombinationen. Zusätzliche Reimregeln können diese Zahl verringern.

Gegenprobe

Sechs zufällig gewählte Wörter ergeben noch kein beschriebenes kombinatorisches Verfahren, wenn Auswahlmenge und Regeln unklar bleiben.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Analyse kann den formal möglichen Textraum mit den tatsächlich erzeugten oder veröffentlichten Texten vergleichen.

Wirkung

Beschränkungen werden zu produktiven Bedingungen des Schreibens.

Resonanz

Ein kleiner Vorrat kann viele Wege enthalten, wenn seine Teile beweglich werden.

Abgrenzung

Kombinatorik von bloßer Zufallsauswahl, Textmenge und ästhetischer Bewertung unterscheiden.

Quellen