ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G04-008

Montage

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Montage fügt getrennte Text-, Bild- oder Klangteile zu einer neuen Anordnung zusammen. Im Herkunftskontext Achronie interessiert besonders, wie die Zusammenstellung zeitliche Beziehungen vermittelt oder offenlässt. Ein Schnitt oder Wechsel allein macht die zeitliche Position einer Szene noch nicht unbestimmbar: Datierungen, wiederkehrende Figuren oder kausale Hinweise können eine Rekonstruktion ermöglichen. Umgekehrt kann eine Montage bewusst auf solche Verbindungshilfen verzichten. Die Analyse unterscheidet daher das Herstellungsverfahren, die erkennbare Reihenfolge der Darstellung und die erschließbare Ordnung der dargestellten Ereignisse. Montage bezeichnet zunächst eine Form der Zusammenstellung, keine garantierte Wirkung auf Orientierung oder Verständnis.

Denkbewegung

1. Die montierten Einheiten werden abgegrenzt. 2. Ihre Reihenfolge wird beschrieben. 3. Zeitliche und kausale Hinweise werden gesammelt. 4. Mögliche Ereignisordnungen werden rekonstruiert. 5. Verbleibende Unbestimmtheit wird ausgewiesen.

Beispiel

Eine Erzählung wechselt zwischen einem leeren Bahnhof und einem gedeckten Tisch. Erst ein späterer Zeitvermerk kann zeigen, ob beide Szenen gleichzeitig stattfinden.

Gegenprobe

Ein Film mit vielen Schnitten kann eine vollständig klare Chronologie besitzen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Narrationsforschung kann prüfen, welche Verbindungshinweise Leser benötigen, um die Szenen zeitlich einzuordnen.

Wirkung

Montage erzeugt Beziehungen durch Nachbarschaft, die innerhalb einzelner Teile noch nicht gegeben waren.

Resonanz

Zwischen zwei Bildern beginnt eine dritte Bewegung des Verstehens.

Abgrenzung

Montage von Achronie, bloßem Szenenwechsel und sicher erschlossener Ereignisfolge unterscheiden.

Quellen