ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G04-009

Motivation

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Motivation bezeichnet im Kontext der Protrope das, was eine Person zum Einschlagen oder Fortsetzen eines Handlungswegs bewegen kann. Eine Aufforderung bietet etwa Gründe, Ziele oder ein Bild erwünschter Zukunft an. Ihre motivierende Absicht ist jedoch von einer tatsächlich eintretenden Handlungsbereitschaft zu unterscheiden. Empfänger können das Ziel teilen, aber andere Mittel bevorzugen, oder den Appell als unangemessen zurückweisen. Zudem ist dieser Gebrauch von sprachlicher Motiviertheit zu trennen, bei der es um einen nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen Form und Bedeutung geht. Der Eintrag beschränkt sich auf den rhetorischen Versuch, Handlungsbereitschaft anzusprechen oder zu verändern.

Denkbewegung

1. Der empfohlene Handlungsweg wird bestimmt. 2. Angebotene Gründe und Ziele werden herausgearbeitet. 3. Die vorausgesetzten Interessen werden geprüft. 4. Reaktionen werden von vermuteten Wirkungen getrennt. 5. Mögliche Veränderungen der Handlungsbereitschaft werden untersucht.

Beispiel

„Beginne heute mit einer Seite; daraus kann dein Buch werden“ verbindet eine überschaubare Handlung mit einem weiter entfernten Ziel.

Gegenprobe

Eine energische Aufforderung beweist nicht, dass ihr Adressat motiviert wurde oder das Ziel überhaupt teilt.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine rhetorische Wirkungsstudie kann Zustimmung, Absicht und tatsächliches Verhalten getrennt erfassen.

Wirkung

Der Appell verbindet gegenwärtiges Handeln mit einem als sinnvoll angebotenen Horizont.

Resonanz

Ein möglicher Weg gewinnt Gewicht, bevor der erste Schritt getan ist.

Abgrenzung

Motivationsversuch von nachgewiesener Wirkung, Befehl und sprachlicher Motiviertheit unterscheiden.

Quellen