ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G04-013

Nachtrag

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Ein Nachtrag ergänzt eine bereits weitgehend abgeschlossene Äußerung. Er kann etwas präzisieren, nachliefern oder neu gewichten und wird häufig durch eine prosodische Grenze erkennbar. Im Herkunftskontext Rechtsversetzung ist jedoch genauer zu unterscheiden: Eine nachgestellte Nominalgruppe kann einen schon durch ein Pronomen besetzten Bezug ausführen, während andere Nachträge eine neue Information hinzufügen. Nicht jede nachgestellte Einheit gehört deshalb derselben syntaktischen Konstruktion an. Die Analyse muss Satzstruktur, zeitliche Abfolge und hörbare Absetzung zusammendenken. Ein Komma in der Verschriftlichung allein entscheidet weder über die Art noch über die Funktion des Nachtrags.

Denkbewegung

1. Ein möglicher Abschluss wird erkannt. 2. Die folgende Ergänzung wird abgegrenzt. 3. Ein vorausgehender Bezugsausdruck wird gesucht. 4. Prosodie und syntaktische Integration werden geprüft. 5. Die Ergänzungsfunktion wird im Verlauf bestimmt.

Beispiel

„Ich habe sie schon angerufen – die Nachbarin“ kann einen pronominal vorbereiteten Bezug nachliefern; „Ich komme morgen – vielleicht erst abends“ präzisiert dagegen die Zeitangabe.

Gegenprobe

Ein integrierter Nebensatz nach der Verbklammer ist nicht allein wegen seiner späten Position ein Nachtrag.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Gesprächsforschung kann anhand von Aufnahmen prüfen, wie Sprecher einen möglichen Abschluss nachträglich erweitern.

Wirkung

Der Nachtrag zeigt, dass sprachliche Planung während des Sprechens weitergehen kann.

Resonanz

Ein scheinbar fertiger Satz öffnet noch einmal eine kleine Tür.

Abgrenzung

Nachtrag von regulärem Nachfeld, Rechtsversetzung als besonderer Konstruktion und jeder Selbstkorrektur unterscheiden.

Quellen