ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G04-045

Rekurrenz

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Rekurrenz bezeichnet das Wiederauftreten einer Einheit oder eines Musters. Im Herkunftskontext Tail-Head-Linkage betrifft dies besonders Material, das am Ende einer Diskurseinheit erscheint und zu Beginn der nächsten erneut aufgenommen wird. Diese geordnete Verknüpfung ist jedoch nur ein besonderer Fall von Wiederkehr. Nicht jede Rekurrenz verbindet Einheiten auf diese Weise, und nicht jede Wiederholung erfüllt dieselbe Funktion. Sie kann Zusammenhalt schaffen, hervorheben, Zeit gewinnen oder ein Verständigungsproblem bearbeiten. Die Analyse braucht deshalb Angaben zu Einheit, Abstand und Position sowie Belege dafür, wie die Beteiligten oder Leser die erneute Aufnahme verarbeiten.

Denkbewegung

1. Die wiederkehrende Einheit wird bestimmt. 2. Ihre Vorkommen werden lokalisiert. 3. Abstand und Position werden verglichen. 4. Die Funktion im jeweiligen Zusammenhang wird geprüft. 5. Spezifische Verknüpfungsmuster werden vom Oberbegriff getrennt.

Beispiel

„Sie erreichten die Brücke. An der Brücke wartete Nils.“ nimmt ein zuvor eingeführtes Element auf und kann damit den nächsten Schritt der Erzählung anschließen.

Gegenprobe

Dasselbe Wort an zwei weit entfernten Stellen belegt nicht bereits Tail-Head-Linkage.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Diskursanalyse kann Wiederaufnahme, Reparatur und bloße lexikalische Häufigkeit getrennt annotieren.

Wirkung

Rekurrenz macht Kontinuität sichtbar, ohne ihre konkrete Funktion schon festzulegen.

Resonanz

Was wiederkehrt, ist vertraut und steht doch an einem neuen Ort.

Abgrenzung

Rekurrenz von Rekursion, Tail-Head-Linkage als Sonderfall und bedeutungsloser Dublette unterscheiden.

Quellen