Kontexterklärung · NAV-G05-017
Stereotyp
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Ein Stereotyp ist hier eine verfestigte, wiedererkennbare Zuschreibung, die Personen, Gruppen oder Situationen mit bestimmten Eigenschaften verbindet. Im Epitheton-Kontext kann eine wiederkehrende Bezeichnung solche Erwartungen aufrufen, ohne sie im jeweiligen Text neu zu begründen. Nicht jedes Epitheton ist jedoch ein soziales Stereotyp, und nicht jede stereotype Vorstellung ist in jedem Einzelfall falsch. Problematisch kann vielmehr sein, dass Vielfalt und Gegenbelege hinter einer routinierten Zuschreibung verschwinden. Analyse fragt deshalb nach Verbreitung, Gebrauch und Folgen einer Vorstellung, statt aus einem einzelnen Adjektiv sofort eine umfassende soziale Haltung abzuleiten.
Denkbewegung
1. Zuschreibung erkennen. 2. Wiederkehr und Verbreitung prüfen. 3. Betroffene Gruppen bestimmen. 4. Gegenbeispiele suchen. 5. Gebrauchsfolgen untersuchen.
Beispiel
Eine Erzählung bezeichnet eine Berufsgruppe immer wieder als „nüchtern“, bis dies wie eine selbstverständlich gemeinsame Eigenschaft wirkt.
Gegenprobe
Die belegte Beschreibung einer einzelnen nüchternen Entscheidung begründet für sich kein Gruppenstereotyp.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Diskursforschung kann untersuchen, wie feste Beiwörter soziale Erwartungen reproduzieren.
Wirkung
Stereotype vereinfachen Orientierung und können Unterschiede verdecken.
Resonanz
Ein vertrautes Etikett kann den Blick früher schließen als die Beobachtung.
Abgrenzung
Stereotyp von jeder Beschreibung, jedem Epitheton und einer notwendig ausnahmslosen Falschbehauptung unterscheiden.
Quellen
- EN:sep-generics-stereotypesdocumented-source-register