ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G05-020

Symmetrie

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Symmetrie bedeutet hier, dass eine bestimmte Eigenschaft unter einer genau benannten Transformation erhalten bleibt. Bei einem Palindrom kann die relevante Operation das Umkehren einer Zeichenfolge sein; bei einem Ambigramm kann es eine Drehung oder Spiegelung der graphischen Gestalt sein. Diese Verfahren sind nicht identisch. Auch muss festgelegt werden, ob etwa Leerzeichen, Großschreibung oder typografische Details berücksichtigt werden. Der Begriff ermöglicht so einen präzisen Vergleich zwischen Ausgangsform und transformierter Form. Ein allgemeiner Eindruck von Ausgewogenheit reicht dafür ebenso wenig wie die Behauptung, jede Wiederholung sei symmetrisch.

Denkbewegung

1. Objekt festlegen. 2. Transformation angeben. 3. Vergleichskriterien bestimmen. 4. Transformation ausführen. 5. Erhaltene Eigenschaften prüfen.

Beispiel

„RENTNER“ bleibt bei Umkehrung seiner Buchstabenfolge gleich; eine beliebige gedrehte Druckfassung muss deshalb noch nicht lesbar sein.

Gegenprobe

Zwei ähnlich lange Satzhälften belegen ohne angegebene Transformation keine formale Symmetrie.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Formanalyse kann unterschiedliche Invarianzen von Sprachspielen und Schriftbildern vergleichen.

Wirkung

Symmetrie verbindet Veränderung mit Erhaltung.

Resonanz

Eine Form zeigt ihren Halt daran, was eine Bewegung an ihr nicht verändert.

Abgrenzung

Formale Symmetrie von bloßer Balance, Wiederholung und unterschiedslos behandelter Spiegelung oder Umkehr unterscheiden.

Quellen