Kontexterklärung · NAV-G05-042
Warnung
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Eine Warnung macht auf eine drohende oder mögliche nachteilige Entwicklung aufmerksam. Sie kann ausdrücklich formuliert oder indirekt erschlossen werden und häufig zu vorsichtigem Handeln auffordern. Das unterscheidet sie nicht in jedem Fall scharf vom Abraten, doch die Funktionen sind nicht deckungsgleich: Eine Warnung kann eine Gefahr mitteilen, ohne eine bestimmte Handlung zu verbieten. Ebenso ist eine Drohung anders organisiert, wenn der Sprecher den Nachteil selbst in Aussicht stellt, um Verhalten zu beeinflussen. Für die Einordnung zählen Wortlaut, Situation und zugeschriebene Verantwortlichkeit, nicht allein ein bedrohlicher Inhalt.
Denkbewegung
1. Möglichen Nachteil bestimmen. 2. Sprecherrolle klären. 3. Adressatenbezug prüfen. 4. Handlungsaufforderung untersuchen. 5. Warnen und Drohen vergleichen.
Beispiel
„Die Stufe ist locker“ kann beim Betreten einer Treppe als Warnung verstanden werden, obwohl kein Imperativ verwendet wird.
Gegenprobe
Ein sachlicher Bericht über ein vergangenes Unglück ist nicht allein wegen seines Inhalts eine aktuelle Warnung.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Sprechaktanalyse kann untersuchen, wie Warnungen indirekt erkannt und beantwortet werden.
Wirkung
Warnungen lenken Aufmerksamkeit auf vermeidbare oder vorzubereitende Folgen.
Resonanz
Ein Satz kann dem nächsten Schritt vorausgehen.
Abgrenzung
Warnung von Drohung, Abraten schlechthin, Verbot und bloß negativer Nachricht unterscheiden.
Quellen
- Alexa Hepburn and Jonathan Potter (2011): Threats: Power, family mealtimes, and social influence, British Journal of Social Psychology50,99–120
Author-uploaded original; pp.107–108, retrieved lines695–784
documented-source-register - EN:sep-speech-actsdocumented-source-register
- Stanford Encyclopedia of Philosophy: Speech Actsrelevant-passages-read