ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G05-048

Wunsch

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Ein Wunsch richtet sich auf einen Sachverhalt, dessen Eintreten als erwünscht vorgestellt wird. Er ist weder notwendig eine Erwartung noch bereits ein Handlungsplan. Im Optatio-Kontext interessiert besonders, wie ein Wunsch sprachlich gestaltet wird, etwa durch einen Wunschmodus oder eine konventionelle Formel. Eine solche Äußerung kann aufrichtig, ironisch oder ritualisiert sein; ihre Form beweist nicht allein den inneren Zustand des Sprechers. Ebenso kann ein Wunsch an jemanden gerichtet sein, ohne eine direkte Aufforderung darzustellen. Analysiert werden deshalb Inhalt, sprachliche Gestaltung und Gesprächsfunktion als unterscheidbare Ebenen.

Denkbewegung

1. Erwünschten Sachverhalt bestimmen. 2. Sprachform erfassen. 3. Adressierung prüfen. 4. Erwartung und Absicht trennen. 5. Kontextfunktion untersuchen.

Beispiel

„Möge die Reise gut verlaufen“ formuliert einen Wunsch, ohne vorherzusagen, dass sie tatsächlich gut verlaufen wird.

Gegenprobe

Ein Wunsch nach Regen ist weder ein Wetterbericht noch ein Plan, Regen herzustellen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Pragmatik kann ritualisierte Wünsche mit spontanen Wunschäußerungen vergleichen.

Wirkung

Wünsche öffnen sprachlich einen Raum des Erwünschten.

Resonanz

Sprache kann einer Möglichkeit zugewandt sein, ohne sie zu behaupten.

Abgrenzung

Wunsch von Prognose, Absicht, Aufforderung und sicher erschlossenem Innenzustand unterscheiden.

Quellen