Kontexterklärung · NAV-G05-053
Überraschung
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Überraschung betrifft eine Abweichung von Erwartungen oder eine unerwartete Informationslage. Im Mirativitäts-Kontext muss dieses Erleben von seiner möglichen sprachlichen Markierung getrennt werden. Eine konventionelle Form kann Neuigkeit oder Unerwartetheit aus einer bestimmten Perspektive anzeigen, ohne den tatsächlichen inneren Zustand des Sprechers unmittelbar zu beweisen. Relevant kann außerdem die Perspektive einer Figur oder eines Adressaten sein. Nicht jede Exklamation markiert Mirativität, und nicht jede Angabe zur Informationsquelle ist Ausdruck von Überraschung. Die Analyse vergleicht deshalb Kontext, grammatische Form und zugeschriebene Erwartung, statt sie aus einem einzelnen Ausrufezeichen abzuleiten.
Denkbewegung
1. Erwartungsperspektive bestimmen. 2. Neue Information erfassen. 3. Sprachliche Markierung prüfen. 4. Evidentialität gesondert analysieren. 5. Erleben und Konvention trennen.
Beispiel
„Du bist schon da!“ kann unerwartete frühe Ankunft anzeigen; dieselbe Form kann in einer gespielten Szene verwendet werden, ohne echtes Erstaunen.
Gegenprobe
Ein Bericht darüber, wie eine Information gewonnen wurde, ist nicht automatisch eine Überraschungsmarkierung.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Pragmatik kann mirative Lesarten über kontrollierte Erwartungskontexte vergleichen.
Wirkung
Der Begriff macht das Verhältnis von Information und Erwartung sichtbar.
Resonanz
Neu wird etwas auch dadurch, dass es anders kommt als gedacht.
Abgrenzung
Überraschung von konventioneller Mirativität, Evidentialität, Exklamation und sicher diagnostiziertem Innenzustand unterscheiden.
Quellen
- EN:jakobson-functionsdocumented-source-register
- EN:peterson-mirativity-abstractdocumented-source-register
- Alexandra Y. Aikhenvald (2012), The essence of mirativity
Author-uploaded full text, §1 pp.435–438; retrieved lines77–293
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