ATLAS DER SPRACHE

AT-103-001 · ATLAS 250

Anapher

Wiederholung desselben Ausdrucks am Anfang aufeinanderfolgender sprachlicher Einheiten.

Vertiefung

Die Anapher verbindet getrennte Sätze oder Verse durch einen wiederkehrenden Auftakt. Das Wiederkehren erzeugt Erwartung, Rhythmus und eine gemeinsame Blickrichtung.

Beispiel

Wir warten auf Antwort. Wir warten auf Wandel.

Gegenbeispiel

Antwort erwarten und auf Wandel hoffen – ohne Anfangswiederholung.

Abgrenzung

Nicht mit der Epipher verwechseln, die am Ende wiederholt.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Macht Wiederholung zu einem Aufmerksamkeitsanker und lässt Aussagen als zusammengehörige Bewegung erscheinen.

Resonanz

Ein identischer Anfang setzt verschiedene Bedeutungen in denselben Schwingungsraum.

Etymologie

Griechisch anaphorá ›Zurückführung, Wiederaufnahme‹; über lateinische und neuzeitliche Rhetoriktraditionen ins Deutsche.

Provenienz

Antike Rhetorik → Wiederholungsfigur → Predigt, politische Rede, Lyrik und Gegenwartsprosa

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Anapher“. Atlas der Sprache, AT-103-001. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-001

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