ATLAS DER SPRACHE

AT-103-002 · ATLAS 250

Bathos

Plötzlicher Fall vom Erhabenen ins Banale oder Lächerliche.

Vertiefung

Bathos zerstört eine aufgebaute Höhe, indem es unvermittelt in Alltäglichkeit oder Trivialität kippt. Der Bruch kann unfreiwillig sein oder gezielt komisch eingesetzt werden.

Beispiel

Er kämpfte für Freiheit, Würde – und einen Parkplatz.

Gegenbeispiel

Eine gleichmäßig sachliche Aufzählung ohne Fallhöhe.

Abgrenzung

Von der Antiklimax unterscheiden: Diese kann stufenweise abfallen; Bathos bezeichnet besonders den drastischen Stilabsturz.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Entlarvt Erwartungen an Größe und zwingt zur Neubewertung des zuvor Erhabenen.

Resonanz

Die Nachwirkung entsteht im abrupten Verlust einer aufgebauten Tonhöhe.

Etymologie

Griechisch báthos ›Tiefe‹; in der neuzeitlichen Poetik zur Bezeichnung des jähen Absturzes aus dem Erhabenen profiliert.

Provenienz

Griechische Tiefenmetapher → neuzeitliche Stilkritik → komischer oder unfreiwilliger Registersturz

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Bathos“. Atlas der Sprache, AT-103-002. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-002

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