ATLAS DER SPRACHE

AT-103-020 · ATLAS 250

Sorites

Paradoxe Schlussreihe, in der viele scheinbar unbedeutende Einzelschritte zu einem unplausiblen Ergebnis führen.

Vertiefung

Das Haufenparadox fragt, wann das Entfernen einzelner Körner aus einem Haufen dazu führt, dass kein Haufen mehr vorliegt. Es macht unscharfe Begriffsgrenzen logisch sichtbar.

Beispiel

Wenn ein Haufen nach Entfernen eines Korns ein Haufen bleibt, scheint dies bis zu einem Korn zu gelten.

Gegenbeispiel

Eine klar definierte Schwelle mit exakt festgelegter Mindestzahl erzeugt kein Soritesproblem.

Abgrenzung

Vom Fehlschluss der schiefen Ebene unterscheiden; Sorites beruht auf Vagheit und schrittweiser Indifferenz.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Zeigt die Spannung zwischen kontinuierlicher Veränderung und kategorialen Wörtern.

Resonanz

Viele kaum wahrnehmbare Übergänge bringen eine scheinbar stabile Kategorie zum Kippen.

Etymologie

Griechisch sōrós ›Haufen‹; Name einer antiken Paradoxie über schrittweise Veränderung und vage Grenzen.

Provenienz

Antike Megarische Schule → Haufenparadox → moderne Logik, Semantik und Vagheitstheorie

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Sorites“. Atlas der Sprache, AT-103-020. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-020

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