ATLAS DER SPRACHE

AT-144-001 · ATLAS 251

Indirekte Evidentialität

Grammatische Markierung, dass eine Aussage nicht auf unmittelbarer eigener Wahrnehmung beruht.

Vertiefung

Evidentialität kodiert nicht primär, ob eine Aussage wahr ist, sondern auf welchem Weg die Information zugänglich wurde. Im Türkischen kann die Vergangenheitsform mit -miş erschlossene oder berichtete Information von direkt bezeugtem Vergangenem unterscheiden.

Beispiel

Türkisch Ahmet gel-miş lässt sich etwa als ›Ahmet ist offenbar gekommen‹ lesen; Ahmet gel-di stellt sein Kommen als direkt festgestellte Vergangenheit dar. In beiden Fällen bleibt derselbe Vorgang gemeint, aber sein Erkenntnisweg verändert die Form.

Gegenbeispiel

Das deutsche vielleicht drückt Unsicherheit aus, ist aber keine grammatische Evidentialitätskategorie des Verbs.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Macht den Weg des Wissens zu einem Bestandteil der Äußerung und trennt Sachverhalt, Quelle und Gewissheit.

Resonanz

Eine Aussage erscheint als Sachverhalt plus dokumentierter Zugangsweg.

Etymologie

Türkisch · sprachvergleichende Passage

Provenienz

Pragmatik/Gespräch → Sprachtypologie → ATLAS_144

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Indirekte Evidentialität“. Atlas der Sprache, AT-144-001. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-144-001

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